Unser Beitrag zum

Diözesanwettbewerb 2001 " Familienfreundliche Pfarrgemeinde"

Beitrag der kath. Kirchengemeinde
St. Stephanus Lüneburg-Kaltenmoor


Unser Familienkreis in der katholischen Gemeinde St. Stephanus in Lüneburg setzt sich aus sechs Familien (4 dieser Familien leben nicht auf Gemeindegebiet, sondern haben sich ganz bewußt für St. Stephanus entschieden) mit vierzehn Kindern im Alter von zwei bis sechzehn Jahren zusammen. Er besteht seit vier Jahren. Unser gemeinsames Tun ist vielfältig:

- gemeinsame Ausflüge (Radtouren, Picknicks, ein Familienkreis-Wochenende pro Jahr, ...) - ein Abend im Monat Treffen der Eltern (Auseinandersetzung mit inhaltlichen Themen, Spielen, Klönen)
- gemeinsames Engagement bei Festen in unserem ökumenischen Kirchenzentrum (Getränkeausschank, Kuchenbuffet, spülen, ...)
- Darüber hinaus ist jede und jeder von uns in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gemeinde ehrenamtlich aktiv. Sonntags treffen wir uns regelmäßig nach dem Gottesdienstbesuch beim Kirchenkaffee, so dass viel Zeit zum Austausch bleibt.

Als wir von unserer Gemeindereferentin über diese Ausschreibung informiert wurden, haben wir uns spontan entschlossen, uns zusammenzusetzen und darüber nachzudenken, warum wir uns in St. Stephanus so wohl fühlen, wann wir unserer Pfarrgemeinde als familienfreundlich erleben.

Dabei ist uns zweierlei bewußt geworden:

1. Eine kinderfreundliche Umgebung bewirkt und bedingt eine familienfreundliche Umgebung. Diese wiederum bewirkt und bedingt eine menschenfreundliche Umgebung. Letztendlich geht es einfach darum, dass in unserer Kirchengemeinde das Gebot der Nächstenliebe lebendig zum Ausdruck kommt (wird in Punkt 2 an Beispielen deutlich gemacht).

2. Eine familienfreundliche Gemeinde ist weder durch ein einzelnes Projekt verwirklicht, noch konnten wir daran die Vielfalt der Angebote, die in besonderer Weise Kinder und Familien ansprechen, deutlich machen. Deshalb haben wir diese einfach zusammengetragen.

- St. Stephanus ist ein ökumenisches Zentrum, was zum einen kofessionsverbindenden Familien besonders ermöglicht, Glaube gemeinsam zu erleben, zum anderen stehen großzügige Räumlichkeiten zur Verfügung. Beispielsweise gibt es in der Eingangshalle einen Begegnungsbereich, fast immer steht Kaffee und Obst auf einem Tisch, eine Spielecke für Kleinkinder ist vorhanden, im Keller sind Tischfußball und ein Diskoraum, so dass sich Jede und Jeder immer willkommen fühlen kann. Dies wird auch von vielen Kindern Kaltenmoors genutzt, die sonst oft unbetreut in unserem Stadtteil unterwegs sind.

- Drei Sonntage während der Fastenzeit gibt es ein gemeinsames Fastenessen mit zusätzlichen Ständen (Bücher- und Kinderflohmarkt, Basar, ...) und einem kulturellen Programmpunkt. Mit dem Erlös wird immer ein bestimmtes Projekt unterstützt (dieses Jahr Zisternenbau in Brasilien). Nicht nur die Preise sind Familienfreundlich, gerade beim Essen wird wegen der Kinder neben dem Eintopf auch Milchreis oder Nudeln und Waffeln angeboten. Diese Aktion verbinden alle Altersstufen, was in diesem Jahr bei einem Sitztanz der Senioren, an dem sich viele Kinder beteiligt haben, offensichtlich wurde.

- Einmal im Monat gibt es einen Kindergottesdienst für zwei- bis achtjährige und parallel dazu einen für die älteren Kinder, in denen nicht nur die Evangeliumstexte altersgerecht vermittelt, sondern auch christliche Rituale, Lieder und Gebete eingeübt werden. In Zukunft soll es bei den Kindergottesdiensten eine stärkere ökumenische Zusammenarbeit geben, was wir als sehr wünschenswert ansehen (3 Frauen unseres Familienkreises gehören zu den Kigoteams, 2 auf katholischer Seite, eine zum evangelischen Team). Darüber hinaus werden die Kinder auch in jeden sonntäglichen Gemeindegottesdienst eingebunden (Versammeln um den Altar zum "Vater unser", Malen zum Thema während der Predigt, Predigtgespräche mit den Kindern...). Im Rahmen der Firmvorbereitung wird am ersten Samstag des Monats ein Jugendgottesdienst gefeiert, den die einzelnen Firmgruppen teilweise selbst vorbereiten und mitgestalten.

- Im September jeden Jahres finden von Donnerstags bis Samstags die Kinderbibeltage statt. Zu einem biblischen Thema (letztes Jahr war es der Auszug aus Ägypten) wird mit ungefähr 60 Kindern zwischen 4 und 10 Jahren gesungen, gebetet und das jeweilige Thema kreativ umgesetzt.

- Für jedes Alter werden Kindergruppen (Spielkreis, KidsClub, ChurchKids, Hausaufgabenhilfe,...) angeboten, mit vielen Freizeitaktivitäten aber auch christlichen Akzenten. Ebenso gibt es Wochenend- und Ferienfahrten oder Ausflüge für die Kinder. Diese Angebote sind natürlich ökumenisch offen.

- In den Herbstferien sind Familien vor allem mit Kleinkindern zu einer Familienfreizeit (in diesem Jahr zum ersten Mal ökumenisch) eingeladen. Diese wird von mehreren Gruppenleitern zur Entlastung der Eltern begleitet. Mit dieser Freizeit werden auch Familien erreicht, die nicht zur Kerngemeinde gehören. Es ist ein niedrigschwelliges Angebot, dass einen Zugang und Kontakt zur Gemeinde ermöglicht, der dem persönlichen Wunsch nach Distanz und Nähe gerecht wird. Durch Landesmittel aus dem Familienministerium und in Zusammenarbeit mit dem Caritasverband kann diese Freizeit auch für sozial schwache oder kinderreiche Familien gefördert werden.

- Bei Veranstaltungen speziell für Erwachsene, die tagsüber stattfinden, wird eine kostenlose Kinderbetreuung angeboten.

- Taufen finden bis auf Ausnahmen in Gemeindegottesdiensten statt unter besonderer Einbeziehung aller Kinder. Immer wieder werden die Symbole erklärt, das Salz zum Probieren angeboten ("ihr seit das Salz der Erde")und die Kinder sind eingeladen, selbst mitzutaufen.

- Zurzeit wird gerade eine Babysittervermittlung aufgebaut. Jugendliche aus der Gemeinde bieten an, für einen relativ geringen Stundensatz in Familien die Kinder zu betreuen, wenn die Eltern sich ehrenamtlich engagieren oder an Veranstaltungen in St. Stephanus teilnehmen. Diese Angebot soll auch den werdenden Mütter der Beratungsstelle offenstehen. Die Koordination wird eine Frau aus der Gemeinde übernehmen. In diesem Zusammenhang ist auch die Bedeutung der engen Zusammenarbeit mit dem Caritasverband Lüneburg zu erwähnen. Durch die Mitarbeit des Geschäftsführers im Arbeitskreis "Diakonisches Handeln" kommt immer wieder die Situation von Familien in unterschiedlichsten sozialen Lebensbedingungen in den Blick.

- Im Frühling und im Herbst findet jeweils ein Flohmarkt "rund ums Kind" statt. Die Standgebühr ist eine Kuchenspende, deren Erlös Neuanschaffungen für die Kinderarbeit möglich machen.

- Seit zwei Jahren wird in St. Stephanus mit allen die möchten Silvester gefeiert. Dieses Angebot wird vor allem von jungen Familien (Übernachtung im Zentrum ist möglich) und alleinstehenden älteren Menschen genutzt. Gerade generationenübergreifende Veranstaltungen empfinden wir als wünschenswert und bereichernd. Wir erleben in unseren Gemeindegottesdiensten viel häufiger, daß sich ältere Menschen über die Kinder freuen, als daß ihre Lebhaftigkeit als störend empfunden wird.

- Zur Firmvorbereitung gehört in unserer Gemeinde ein Praktikum der Firmbewerber und Firmbewerberinnen, entweder in den unterschiedlichsten Bereichen unserer Gemeinde oder in einer sozialen Einrichtung (Landeskrankenhaus, Obdachlosenfrühstück, Behindertenarbeit, soziale Kinderklamotte, ...). Dies ist weniger als Verpflichtung sondern eher als Angebot gedacht und wurde in diesem Jahr von den Firmlingen selbst auch so empfunden. Kontakte sind dadurch entstanden und viel gegenseitiges Verständnis.

- Gemeinsame Feste und kulturelle Angebote (Kreuzwegausstellung, Konzerte, ...) werden in St. Stephanus kostenlos veranstaltet und schafft für viele Menschen einen ganz anderen und manchmal vielleicht den einzigen Zugang zu Kirche und Gemeinde, umgekehrt für viele Kaltenmoorer aber auch den einzigen Zugang zu Kultur.

- Im Arbeitskreis "Diakonisches Handeln" werden immer wieder neue Ideen für die Gemeindearbeit entwickelt, so auch die "Soziale Sprechstunde (SOS). Ehrenamtliche aus der Gemeinde wechseln sich ab, so dass jeden Mittwoch nachmittag eine Gesprächspartnerin für alle soziale Fragen zur Verfügung steht. Manche brauchen einfach jemanden zum Zuhören, andere brauchen Hilfe beim Ausfüllen der Bögen und Anträge für die verschiedenen Ämter. Oder die Hilfesuchenden werden weitervermittelt, z.B. an die Caritas, die Erziehungsberatungsstelle,... Gerade junge Frauen in unserer Gemeinde, die nicht ausschließlich auf Kleinkinderbetreuung festgelegt sein wollen, nutzen diese Möglichkeit, um sich ehrenamtlich zu engagieren. So bietet SOS zum einen vor allem auch Familien Hilfe bei der Beantragung von Geldern (Wohngeld, Erziehungsgeld, Sozialhilfe,...) und damit eine finanzielle Entlastung, zum anderen aber auch jungen Müttern eine interessante Aufgabe.

- Das Konzept für die Begrüßung Neuzogezogener wurde im vergangenen Jahr überarbeitet und verändert. Neue Gemeindemitglieder sollen von Ehrenamtlichen in ähnlichen Lebenssituation besucht werden (junger Vater besucht junge Familie, ältere Dame besucht ältere Dame, ...) So entsteht oft viel leichter Kontakt. Vor allem junge Familien nehmen dieses Angebot gerne wahr und erfahren dann auch von den vielen Möglichkeiten in St. Stephanus.

- Auch die hauptberuflichen Mitarbeiter in St. Stephanus engagieren sich für Kinder und Familien. Unsere Gemeindereferentin ist selbst Mutter von zwei Kleinkindern und kennt aus eigener Erfahrung die Bedürfnisse von Familien. So ist zum Beispiel die Babysittervermittlung und der Kinderflohmarkt ihre Idee gewesen.
In ganz besonderer Weise prägt aber auch unser Priester die Atmosphäre und das Leben in unserer Gemeinde. Immer wieder spricht er davon, daß jeder Mensch von Gott geliebt, einmalig bei seinem Namen gerufen ist. "Einmalige Liebesgedanken Gottes sind wir" sagt er und das lebt er auch. In seinem Tun und Umgehen mit jeder Person wird dieses Denken offensichtlich. Mir vermittelt er damit ein wirkliches Angenommen-sein und eine Begeisterung für die Schöpfung und das Leben, dass es eine Freude und ein Geschenk ist, in St. Stephanus gemeinsam mit anderen Glauben zu leben.

Was uns noch fehlt in unserer Gemeinde, ist eine bißchen mehr Musik, ein Kinderchor, eine Schola oder eine Instrumentengruppe beispielsweise. Insgesamt aber empfinden wir unsere Gemeinde als sehr lebendig und vielfältig, immer wieder werden neue Ideen umgesetzt. Diese entstehen nicht nur im Arbeitskreis "Diakonisches Handeln", sondern auch im praktischen Tun der ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter. Besonders wichtig empfinden wir, dass es in unserer Gemeinde eine Atmosphäre und einen Nährboden für Weiterentwicklung gibt.

Abschließend noch einige Antworten einiger Kinder auf die Frage: "Was gibt es in St. Stephanus Tolles für Kinder und Familien?"

Roswitha, 6 Jahre:
"Den Altar und den Jesus am Kreuz und die Süßigkeiten, die es da immer gibt."

Rebekka, 7 Jahre:
"Die Kigos (Kindergottesdienste) und alles außer den großen Gottesdiensten."

Frederick, 9 Jahre:
"Beim Kirchenkaffee; da ist es warm, da kann man im Winter reingehen; da kann man schön spielen und sich mit anderen unterhalten; malen und Taufen im Gottesdienst; die Kommunion(vorbereitung) und viele Gruppen, da kann man viel machen auch für die Erwachsenen; fangen, verstecken und Ball spielen."